Kunstverein Rhein-Sieg
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NACHRUF

Wir trauern um

Jiří Nečás

Am Freitag, dem 1. Juni 2018 verstarb durch einen Unfall unser langjähriges Mitglied, Kollege und Freund Jiří Nečás. Wir übernehmen die traurige Pflicht, dies unseren Mitgliedern zur Kenntnis zu bringen.

Wir alle kennen Jiří als einen engagierten und aufmerksamen Kollegen, der durch seine behutsame und einfühlsame Präsenz wie auch sein einzigartiges bildnerisches Werk hervortrat.

Für den Vorstand des Kunstvereins für den Rhein-Sieg-Kreis e.V. - Reinhard Lättgen, Vorsitzender

Jiří Nečás, 2018

 

Das Spiel des Zeichnens hat Jiří Nečás schon in jungen Jahren ergriffen, im zweifachen Sinn des Wortes. Und aus dem Spiel wurde wie so oft Ernst; Zeichnen war für Jiri schließlich ein existenzieller Zug, gleichsam ein Suchen nach der Lebenslinie mit Schwarz auf Weiß. Mit großem Formbewußtsein hat Jiří seine Kunst erarbeitet. Das lag im Gefühl und im Denken des promovierten Sprachwissenschaftlers. Er hatte meist genaue Vorstellungen von dem, was auf dem Papier erscheinen sollte, er ließ aber auch gelegentlich den Zufall zu, wenn es in sein Konzept passte. Der Rahmen seiner Arbeit war ein gedanklicher, oft orientiert an literarischen oder philosophischen Texten. Der Entwicklung neuer Formen des Ausdrucks spürte er ebenso in der Musik nach, als passionierter Hörer immer auf der Suche nach Äußerungen an den Grenzen der Möglichkeiten des Mediums - so wie er es als Künstler mit dem Tuschepinsel oder der Feder in seinen überaus sensiblen Zeichnungen tat. 

Seine Arbeiten stellte Jiří vielfach im Rheinland aus, auch in seiner Geburtsstadt Brno in Tschechien, wo er 1955 zur Welt kam, und an seinem neuen Wirkungsort seit 2008 im niedersächsischen Holzminden. Dort hatte er eine Stelle als Kunstlehrer angenommen, nachdem die Finanzierung des Lebensunterhalts aus Kunstverkäufen und pädagogischen Gelegenheitsjobs zu schwierig wurde. Aber sein Lebensmittelpunkt war in Sankt Augustin geblieben, wo er mit seiner Partnerin seit vielen Jahren lebte. In diesem Haus endete nun seine Lebenslinie - abrupt und früh. Das Unvorhergesehene, das Jiří in seinen Zeichnungen in der Regel vermeiden wollte, hat sich hier von seiner tragischen Seite gezeigt. Noch wenige Tage zuvor hatte er Freunden in einer E-Mail das Foto einer neuen Arbeit gezeigt, das oben abgebildet ist: Hellgraue Flüsse verdünnter Tusche sind verbunden mit einem dichten Teppich feiner Linien und werden durchkreuzt und eingerahmt von tiefschwarzen Pinselspuren. Jiří hat mit dieser traditionellen, zu Unrecht als einfach erachteten Technik des Zeichnens Erstaunliches erreicht. Sein Feingefühl, sein Humor und seine Menschlichkeit sprechen aus diesen Blättern weiterhin zu uns.

Jürgen Röhrig